Refugees

slide-01.jpg slide-02.jpg slide-03.jpg slide-04.jpg slide-05.jpg slide-06.jpg slide-07.jpg slide-08.jpg slide-09.jpg slide-10.jpg slide-11.jpg slide-12.jpg < >

Warum nicht einfach „Flüchtlinge“?

Die Worte meiner Mutter werde ich nie vergessen. Sie sagte zu mir, bevor ich zur Schule ging: „Sag bloß nicht, dass wir Flüchtlinge sind. Wir sind legal verzogen!“ Dabei ging es um einen Wechsel aus der DDR in die Bundesreublik: Dieselbe Sprache, dieselbe Kultur, dieselbe Vergangenheit. Aber diese panische Angst, „die Fremden, die da ungebeten kommen, wollen uns etwas wegnehmen“, sitzt wohl sehr tief. Wir kennen das von Hungernden: Engste Freunde werden zu Todfeinden, wenn es um den letzten Tropfen Wasser geht, aber bei uns?

Seit sieben Jahren herrscht Bürgerkrieg in Syrien, in Afghanistan sind es 39 Jahre. Weder in Syrien noch in Afghanistan ist ein Ende abzusehen. 12-Jährige aus Syrien, haben ihr Leben lang wahrscheinlich keine Schule gesehen, das unbeschwerte Spielen ist ihnen unbekannt, Lernen? Wofür? Auf manchen Fotos ist zu erkennen, wie fremd das Spielen ist. Selbst hier entdeckt man Angst, Vorsicht, Skepsis. Täglich zittern sie um das Schicksal ihrer Familien. Leider gibt es Smartphones, die in Sekundenschnelle die grausamsten Bilder von der Front in die vermeintlich sichere Unterkunft in Deutschland tragen. Die Generation der heute 45-Jährigen Afghanen kennt kaum etwas anderes als Krieg, Grausamkeiten, Angst. Schule? Lernen? Familie? Kaum Gelegenheit, das Kriegstrauma loszuwerden! Zukunft? Was bedeutet das? Hoffnung? Gibt es das?

Noch einmal zur Eingangsfrage: Warum nicht einfach „Flüchtlinge“? „Flüchtlinge“ besaßen in Deutschland eine Perspektive: Der Krieg war vorbei. Man freute sich am Wiederaufbau und hat im Laufe der Zeit vergessen, wer ein „Flüchtling“ war und wer nicht. Haben „Refugees“ eine Perspektive? Aus Angst vor der AfD verfolgt die Regierung nun lieber selbst eine ausgrenzende Politik. Ein „Heimat“-Ministerium wurde geschaffen, um zu zeigen, wer hierher gehört und wer nicht. Diese Herren (Frauen sind nicht beteiligt) sollten nicht vergessen, dass ein Land wie Brandenburg ohne Flüchtlinge eine unbewohnbare Steppe geblieben wäre.

Für mich bedeutet die Arbeit mit Refugees, ihnen Kindheit zurückzugeben: Spielen, zur Schule gehen, Freunde treffen, sich in der Schule genauso zu fühlen, wie der deutsche Mitschüler, Angst vor der Klassenarbeit zu empfinden, gehört glaube ich zum Leben - , aber mehr auch nicht. Meinetwegen auch ein bisschen „Scheiße-Bauen“ ‐ auf jeden Fall zu zeigen, dass der Krieg eine unwillkommene Ausnahme im Leben darstellt, nicht die Regel, dass Lachen stärker ist als Hass.