Fotografie =
Nochmal allles von vorn, aber bitte nicht ganz so schnell!
70er jahre: Studium der Politologie und Germanistik in Berlin, dann Arbeit am EWI der FU Berlin und am Institut für Wasser- Boden- und Lufthygiene („WaBoLu“), dann Lehrer an einem Berliner Gymnasium, Zwischenaufenthalt in New York. Mitarbeit in der „Arbeitsgruppe Pädagogisches Museum“( „Heil Hitler! Herr Lehrer!“, „Ich bin kein Berliner“, diverse andere Ausstellungen zu Themen aus dem Bereich Schule (z.B. „Kriegerdenkmäler in der Schule abreißen oder bewahren?“. Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe der Landesbildstelle Berlin (bics) zum Computereinsatz im Fachunterricht und Arbeit an einer online-Lernplattform für die Schule.
Seit den 80er Jahren intensive Hinwendung zur Fotografie. Mitarbeit an Projekten und Tagungen von Centropa, einer Organisation, die sich mit der Behandlung des Holocausts in den Schulen West- und Osteuropas, dem Balkan, Israel und den USA beschäftigt. Später dann Unterstützung von Schutzsuchenden aus Syrien, dem Iran und Afghanistan. Da mich viele Reise schon früher in den nordafrikanischen Raum und später in die Türkei geführt haben, wusste ich, was man im islamischen Kulturkreis unter Gatsfreundschaft versteht. Die Fluchtbewegungen um 2025 waren mir ein Signal.
Auf dem Weg bis heute gabe es viele Abzweige, aber dennoch eine deutliche Orientierung an pädagogischen, historischen und sozialen Themen. Ich habe immer versucht, Abzweige, Umwege und Kostbarkeiten etwas ab vom Wege zu finden.
Begleite mich bei meinen Entdeckungen! Meist entdecke ich erst nach der Reise, was mir entgangen ist, obwohl ich mich bemühe, das schon bei der Aufnahme zu erledigen, aber zu Hause angekommen, wird dann im übertragenen Sinne doch noch "ein zusätzlicher Koffer ausgeliefert". Genau genommen gibt es in der Fotografie die Belichtungszeit und die Betrachtungszeit.
Moderne Reise-Fotografie, die sich überwiegend mit der Herstellung von Selfies befasst, ist nicht mein Ding! Reisen dient dann nur dem Zweck, eine angemessene Kulisse zu finden, in der der Smartphone-Besitzer im besten Licht erscheint (siehe z.B. hier). Ich bin sehr froh, dass ich meistens eine richtige Kamera dabei habe, denn sie hat noch keinen Selfie-Modus, und dass ich mir die Zeit nehmen kann nachzudenken, bevor ich auf den Auslöser drücke. Übrigens halte ich auch nichts von Sehenswürdigkeiten. Meistens wird an "maßgeblicher Stelle" festgelegt, was "sehenswürdig" ist. Das entscheide ich aber lieber selbst. Es gibt kein sehensunwürdiges Leben! Auf Reisen konnte ich Orte finden, die wären mir eventuell mal als sehenswert erschienen, aber dann wüteten Tourismus-Agentur, Touristen und Hoteliers solange, bis alles ähnlich aussieht, wie Hannovers Bahnhofsvorplatz. Und wenn Du, liebe Betrachterin und lieber Betrachter fragst, warum hat er denn ausgerechnet das fotografiert, dann fängst Du an, mich zu verstehen, denn dann hast Du schon einen Anfang gemacht, über meine Betrachtungsweise nachzudenken.
Frank Grellert