Frühling an der emscher

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Funken

Ein Bummel durch den Landschaftspark Duisburg-Nord, ehemals Thyssen-Hütte in Duisburg-Hamborn und Meidrich

Eine Schulklasse aus Oldenburg, die im strömenden Regen durch den Landschaftspark Duisburg-Nord (im örtlichen Jargon „LaPaDu“ ) irrt.

Können Sie uns helfen??“ „Warum seid Ihr hier?“ frage ich. „Weil unser Lehrer das so will“ kommt als prompte Antwort (na klar, damit hatte ich gerechnet!). Innerlich lobe ich den Lehrer, weil meine Lehrer so getan haben, als existiere Industrie gar nicht - man wollte sich ja schließlich abheben (in den Sechziger Jahren). Ich soll helfen, ein Gedicht zu schreiben, „weil der Lehrer will, dass wir ein Gedicht schreiben“ (das haben sie sich selbst ausgesucht, denke ich, wollen es aber nicht zugeben), andere „müssen“ die Namen der hier wachsenden Bäume herausfinden „Pinie? Kiefer?“ --- „Pinie wächst nur im Mittelmeer-Raum!“ Also Kiefer!

Immerhin! Als die Thyssen-Hütte noch in Betrieb war, wuchsen hier keine Bäume - höchstens hartnäckiges Unkraut -- „Spontanvegetation“. . Und es stank fürchterlich nach Schwefel, Koksgasen und Schlacke. „Habt Ihr in Oldenburg Industrie?“ --- „Nein“ --- „Dann riecht es bei Euch also besser?“ „Nein! Manchmal riecht es nach Schweinegülle!“.

Die Emscher galt bis ca. 1970 als der schmutzigste Fluss Deutschlands und die „Kloake des Ruhrgebietes“. Jetzt wachsen die Bäume vorsichtig, auch im Regen. Und im Frühling blühen sie - zaghaft - und zeigen, dass sich die Natur alles zurückholt (ob mit oder ohne Hilfe eines 4 Mrd. Euro teuren Renaturierungsprojekts), -- aber mit Nachdruck!

Die naiv klingenden Fragen der Schüler rühren an ein gewaltiges Naturwunder und an eine gewissenlose Umweltzerstörung durch die Industrialisierung. Ihr vorgetäuschtes Desinteresse versucht wohl eher den Schauer zu vertuschen, der plötzlich da ist, wenn man bemerkt, sich am Schauplatz eines Naturschauspiels zu befinden. Schließlich bewegt man sich (mal so ganz nebenbei gesagt) in einem der 10 besten Stadtparks der Welt! Irgendwann stellt sich jeder Besucher des LaPaDu beim Blick auf die langsam verrottenden Industrieanlagen die Frage „Was wäre eigentlich, wenn der Mensch auf einmal weg wäre?“ Nach schätzungsweise 35.000 Jahren wäre der Boden vom Blei der Industrialisierung gereinigt.

Wir versprechen uns, Gedicht und Fotos auszutauschen.

Apropos Gedicht: Vor Beginn der Industrialisierung vertonte Johannes Brahms ein Gedicht von Robert Reinick. Es ist vielen bekannt, denn es wird in Loriots Film Ödipussi (beinahe schon als Persiflage der Weltfremdheit) vorgetragen. Aber man könnte es sicherlich etwas abwandeln und „zeitgemäßer“ formulieren.

Any ideas?

Johannes Brahms, Juchhe (1852)
Wie ist doch die Erde so schön, so schön!
Das wissen die Vögelein;
Sie heben ihr leicht Gefieder,
Und singen so fröhliche Lieder
In den blauen Himmel hinein.
Wie ist doch die Erde so schön, so schön!
Das wissen die Flüss' und Seen;
Sie malen im klaren Spiegel
Die Gärten und Städt' und Hügel,
Und die Wolken, die drüber gehn!
Und Sänger und Maler wissen es,
Und es wissen's viel and're Leut',
Und wer's nicht malt, der singt es,
Und wer's nicht singt, dem klingt es
Im Herzen vor lauter Freud'!