Menschen in duisburg

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Meine Stadt - Ethno- und Kulturfeuerwerk

"Mach disch locker, Aalder!"

Duisburg hat es nicht ganz geschafft, das Liverpool Deutschlands zu werden, aber es hat alles Potential dazu: Eine stolze Arbeiterklasse wohnt hier und obwohl die Stadt wahrscheinlich so hohe Schulden hat wie Griechenland, gibt es keine Verzweiflung, sondern eher das Gefühl„Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende!“

Da, wo die Zuversicht nicht ausreicht, gibt es bisweilen auch die Selbstironie. Kreativität, um mit Problemen aller Art umzugehen, ist vorhanden -- jetzt. Solange es eine CDU-geführte Stadtregierung mit dem sprechenden Namen „Sauerland“ gab, schlug sich das auf die Gemüter. Leider gab es auch das furchtbare Unglück auf der Love-Parade 2010, das auf das Konto dieser Stadtregierung geht: 21 Besucher starben und 541 weitere wurden z.T. schwer verletzt, von den Traumatisierten gar nicht zu reden! Heute, fast sieben Jahre danach, ergeht endlich ein Urteil des Oberlandesgerichts in Düsseldorf, nachdem das Verfahren gegen die 10 Angeklagten eröffnet werden kann.

Die Veränderung und den Wandel spürt man überall, das war in Duisburg schon immer so und wird niemals fertig und niemals zu Ende sein. Es gibt viele türkische Menschen in Duisburg. Sie haben etwas südliche Wärme und südlichen Lebensstil mitgebracht, auch wenn sie es nicht immer sagen, sie denken bestimmt über uns andere „Mensch, mach disch locker!“ Na ja, umgekehrt denke ich das auch manchmal. Aber es gibt nicht nur Türken, sondern auch sehr viele Italiener, denen begegnete ich, als ich in die ehemalige Kneipe meiner Mutter kam, die jetzt von Kalabresen betrieben wird. Nein, wahrscheinlich haben sie nichts mit der N'Drangetha zu tun. Aber komisch war es schon, dass alle Gäste vor die Tür gingen, als ich fotografieren wollte. Duisburg-Hochfeld. Das ist schon ein interessanter Ort: Früher bewohnt von der deutschen Arbeiterklasse, dann kamen die Türken. Die gehen jetzt aber wieder weg „Zu viele Ausländer!“ sagen sie. Dass ich nicht lache! In Duisburg-Hochfeld wohnen jetzt viele Rumänen, Moldavier und Bulgaren. Die fangen eben jetzt auch wieder ganz von vorne an wie damals die Türken und Italiener. Das Ruhrgebiet war schon immer ein Ort, der die ganz Armen aus ganz Europa angezogen hat, weil man ihre Arbeitskraft brauchte. Und im Laufe der Zeit sind sie zu bescheidenem Wohlstand gekommen: Polen, Russen, Tschechen, Böhmen, nach 1945 waren es die Flüchtlinge und Vertriebenen, jetzt kommen eben andere. Das Schöne daran ist, dass es jetzt wieder Kinder und Familien auf den Straßen gibt. So funktioniert eben der Pott! Der Fußballplatz am Musfeldplatz ist jetzt leider zum Parkplatz geworden. Daran erkennt man, dass sich die Anwohner lieber hinter den Fernseher zurückgezogen haben. Die Deutschen verbarrikadieren sich hinter ihrem Wohlstand, die Benutzung des Gehweges gilt wahrscheinlich als Zeichen der Armut. Bei den Rumänen, Bulgaren, Moldaviern und Russen ist das nicht so. Die leben draußen und erzeugen wieder Leben auf der Straße. Der abstrakte Begriff „Öffentlichkeit“ hat hier seinen konkreten und fühlbaren Sinn zurückgewonnen. Die haben das Leben zurückgebracht, dafür sollte man ihnen dankbar sein!

Übrigens wurde hier einer der ersten Filme von Fatih Akin gedreht: „Solino“, der den Werdegang einer italienischen Familie zeigt, die in den frühen 60er nach Deutschland gekommen ist. Der Markt in Duisburg-Hochfeld ist einfach Spitze! Das könnte auch ein Markt in Balikesir oder sonstwo in der Türkei sein. So etwas hat allenfalls noch Berlin zu bieten. „Mach disch locker, Aalder!“

Die alte Dame ist meine Mutter, sie war sehr sehr stark und meisterte jede Schwierigkeit. Es ist sehr traurig, dass sie jetzt nicht mehr da ist, aber sie schaut zu! Darauf könnt Ihr Euch verlassen! Und sie findet nicht alles gut!!! Der ältere Herr auf dem Velo ist Moses: Der bekannte Männekes-Maler vom Niederrhein. Ich besuche ihn oft und gerne, wir kennen uns verdammt lange. Schön, dat dat noch klappt mit uns!

Ein Foto gibt es, da sind überhaupt keine Menschen drauf, weil die Nazis sie ermordet oder vertrieben haben, aber langsam kommen sie zurück. Das freut mich. In meiner Kindheit musste ich das Steinbart-Gymnasium erleben. Viele Lehrer sprachen hinter vorgehaltener Hand mit Bedauern vom Ende des Nationalsozialismus, nicht ohne dies als „Zusammenbruch“ zu bezeichnen. Vielen meiner Lehrer erschien die deutsche Teilung schlimmer als der Holocaust. Sie bezeichneten die DDR als „Mitteldeutschland“. Mir wird noch heute übel, wenn ich mich daran erinnere. Scheinbar hat sich dieses Problem in meiner Ex-Schule hartnäckig erhalten und erschien bei Abiturfeiern zumindest bis zum Jahr 2013 wie ein Geist aus der Flasche, den man nicht mehr einfangen kann. Zwischenzeitlich hatte mich die Altersmilde erwischt, so dass ich mir oft die Frage stellte, ob meine skeptische Haltung gegenüber meiner Schule nicht etwas überzogen war. Da tauchten dann aber wieder Bilder des ehemaligen Direktors Goslar mit dem Schmiss im Gesicht auf, Erinnerungen an den Sportlehrer K., der anlässlich der Bundestagswahl 1969 im Sportunterricht erklärte, die NPD sei die einzig wählbare Partei, weil sie etwas für den Sportunterricht tue. Und 2013 dieses? Man liest, das Buch werde nun überarbeitet und in dieser Form nicht mehr verteilt, aber die Einsicht erscheint doch mit einer erheblichen Verzögerung! Wenn es sich überhaupt um Einsicht handelt! Auf der facebook-Seite des Ehemaligen-Vereins des Steinbart-Gymnasiums ist zu lesen „Bei der Neuauflage hatten der damalige Rektor und die Herausgeber darauf hingewiesen, dass hier ein Zeitdokument wiedergegeben wird, das den Tenor der Epoche widerspiegelt. Doch der Text benötigt aus heutiger Sicht eine kritische Kommentierung und Einsortierung. Diese Überlegungen werden in die Neuauflage der Chronik einfließen.“ Ähemm, mit dieser Begründung klingt das wohl eher nach Verharmlosung! Dieses Nebeneinander einer links orientierten Arbeiterstadt und eines national-konservativen Publikums, das sich unbedingt von der Arbeiterschaft abheben möchte, das verdutzt mich immer wieder, bis heute! Altersmilde ist bezüglich dieser Haltungen also völlig unangemessen!

Der Innenhafen war für mich früher eine No-Go-Aerea, obwohl ich dort meine frühe Kindheit verbracht habe. Heute blüht die Gegend auf und lockt im Sommer sogar die Freizeit-Tango-Tänzer an. Geht doch! Duisburg ist schon etwas lockerer geworden! Da ist noch ein anderes Foto, auf dem keine Menschen zu sehen sind. Das ist ein Haus in Wanheimerort. Der Besitzer war beleidigt, als er mich sah, wie ich sein Hüsken fotografierte. Dabei sollte er stolz sein! Er hat sich seine Vorstellung von Glück in dieser Stadt bereits verwirklicht. Jeder Stein dieser Häuserfront atmet die Liebe aus, mit der es gestaltet wurde. Auch die beiden Uniformierten der Paukenkapelle des Schützenvereins wie sie da so ernsthaft und verträumt zugleich durch die Bungalow-Siedlung im Duisburger Süden spaziertorkeln ...

Die Architekten des Innenhafens haben bestimmt ganz andere Vorstellungen vom schönen Leben und Wohnen, aber das ist eben Duisburg: Da macht jeder seins - und das ist sehr sympathisch! Es gibt eine Brücke über den Rhein zwischen Duisburg-Hochfeld und Duisburg-Rheinhausen. Hier demonstrierten wochenlang Arbeiter von beiden Seiten des Rheins gegen die Schließung der Krupp-Werke in Rheinhausen. Diese Brücke heißt “Brücke der Solidarität„. Als Grundstimmung ist das in Duisburg geblieben, man ist hier sehr solidarisch miteinander. Das macht Duisburger Menschen sehr sympathisch.

Anders war es beim Geburtstag des Weihbischofs in Xanten (siehe dazu meine Seite zum Niederrhein). Das ist nicht Duisburg, das ist der Niederrhein und fast schon eine ganz andere Kultur. Da gibt's noch die gute alte Tortenschlacht und da gilt noch der Grundsatz „Homo homine lupus“ - oder etwas freier, passend zum Anlass, übersetzt: „Gib Gott, dass ich zu Tische stets das größte Stück erwische!“

Externe Verweise